Abgemacht haben wir auf acht Uhr, aber Ivan sitzt schon zwanzig Minuten früher da… Ist er aufgeregt, nervös oder hat er Angst, dass wir ohne ihn losfahren? - FURZ – Musste er deswegen aus der Wohnung und an die frische Luft? Nur Ivan weiss es.
Kurz nach acht Uhr sind dann alle eingetroffen, 7 Personen auf 6 Motorrädern. Ein letzter Kaffee und Besprechung bevor es losgeht.
In Balsthal geht es links weg Richtung Passwang. So toll ist die Auffahrt dieses Mal nicht. Was im Flachland noch Hochnebel war, outet sich hier als dicke Suppe. Kurz vor der Passhöhe öffnet sich der Himmel. Erste Pause, erste Zigarette und die fantastische Aussicht über das Nebelmeer geniessen. Ivan furzt.
Die Schönwetterfreude dauert nicht lange. Schon bei der Abfahrt nach Laufen ist der Himmel wieder bedeckt. Das soll uns noch eine Weile begleiten, leider. Nach Laufen beginnen die Kurven wieder, entlang der Lucelle, rechts weg über Kiffis nach Ferrette. 150 km und die erste Tankpause, natürlich wird auch hier geraucht. Bei den einen die Zigarette, bei anderen der Kopf wegen dem Navi. Irgendwie will das nicht denselben Weg nehmen wie ich. Das wird noch ein langer Kampf.
In Cernay dann endlich wieder Kurven, die „Route des crêtes“, auch der blaue Himmel kehrt zurück. Auf dem Hartmannswillerkopf dann die nächste Pause, diesmal aber mit Geschichte. Ein „Spaziergang“ führt uns auf die Kuppe mit all seinen alten und eindrücklichen Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg. Genug zu Fuss gegangen, schliesslich sind wir auf einer Motorradtour. Bevor es aber „weiterfährt“ löschen wir noch unseren Durst in dem schattigen Gartenrestaurant. Es wird gefurzt.
Kurven, enge Kurven, Col de la Schlucht, langgezogene Kurven, Kurven im Walde, Ste-Marie-aux-Mines, schmale Strassen, Kurven, Thannenkirch. Kaum im Hotel angekommen wird auch schon die erste Pression bestellt, geraucht und mal entspannt. Ja, Ivan kann auch hier furzen.
Zimmer beziehen und ab ins Hoteleigene Bad. Während die einen das Sprudeln im Whirlpool geniessen, plantschen die „Jungen“ im grossen Pool. Jeder nach seinem Gusto.
Zum Apero dann endlich ein Glas Gewürztraminer. Damit bin auch ich im Elsass angekommen.

 

Der Samstag beginnt mit einem üppigen Frühstücksbuffet. Toast, Eier, Käse, Honig… Selbstverständlich darf auch der Kougelhopf nicht fehlen. Das Ziel heute ist das KZ Struthof bei Natzwiller. Das einzige auf französischem Boden.
Kaum auf dem Motorrad verzieht sich auch der Hochnebel und die Suche nach einer Tankstelle beginnt. Navi sei Dank. Gezielt führt es uns nach St Hyppolyte.
Frisch betankt, alle ausser Charles, der führt einen 45 Liter Tank mit, geht’s kurz nach Villé wieder los mit der Kurvenhatz. Rausbeschleunigen, hochschalten, grinsen, anbremsen, Motorrad in die Kurve schmeissen und wieder grinsen. Für die Franzosen ist es wohl noch zu früh, denn wir haben die Strassen für uns alleine. Bei Le Hohwald könnte man links abbiegen, aber es rollt gerade so schön. Später wird sich zeigen, dass das eine unglückliche Entscheidung war. Jetzt kurvt die Strasse aber einem Bach entlang nach Andlau mit seiner engen und holprigen Hauptstrasse. Zweimal links abbiegen und schon sind wir wieder mitten in vogesischen Kurven. Leider nur kurz. „Route barré“ steht auf dem Gitter, das uns den Weg versperrt. Was jetzt? Erst mal machen wir eine Rauchpause. Zwei Motorräder ziehen an uns vorbei. Doch keine drei Minuten kommen sie zurück. Da ist wohl wirklich route barré…
Also zurück nach Le Hohwald, wieder durch das enge Andlau und dem Bach entlang. Die Zusatzschlaufe hat zwar etwas Zeit gekostet, dafür mit toller Strecke belohnt.
Der Besuch im KZ Struthof dauert länger als erwartet. Seit dem letzten Besuch ist ein Museum dazugebaut worden.

Die Gründung dieses Lagers, das zu den kleinsten Konzentrationslagern zählt, geht auf eine Besichtigungsreise Albert Sprees nach der Besetzung Frankreichs zurück, bei der ihm die Granitvorkommen um Natzwiller auffielen. So „arbeiteten“ bis zu 3000 Häftlinge im Lager, die meisten wurden aber für die Rüstungsindustrie eingesetzt.
Die Besichtigung dauert länger als angenommen und so ist die Essenszeit schon vorbei. Jetzt noch ein Restaurant mit offener Küche zu finden ist schwierig im Elsass, so bleibt es bei einer Cola und einem Stück Kuchen. Dabei wird der weitere Tourenverlauf diskutiert. Kaysersberg, genauer gesagt die Metzgerei „chez daniel“ soll das nächste Ziel heissen. Via Col-du-steige, Col-de-fouchy, Ste-Marie-aux-Mines fährt’s nach Ribeauvillé. Ab hier sind wir auf der « route du vin » und entsprechend nicht mehr alleine. In Kaysersberg treibt der Hunger die einen direkt zu Daniel, um dessen geräuchertes Filet zu kaufen und andere geniessen das schöne Städtchen. Auf der Rückfahrt zum Hotel wird wieder getankt.
Für den Whirlpool sind wir heute zu spät, können aber nach einem „Pression“ und einer verdienten Dusche gleich zum Abendessen. Heute gibt es einen typisch elsässischen Eintopf, natürlich wieder mit einem Glas Gewürtztraminer. Den Abend lassen wir bei einer Pokerrunde ausklingen. Ivan holt eine Menge Münz an der Rezeption. Standesgemäss wird geraucht und auch ein Bier darf in der lockeren Runde nicht fehlen. Natürlich geben wir Ivan am Schluss sein Geld wieder zurück…

 

Auch am Sonntag sieht das Frühstücksbuffet wieder einladend aus. Leider ist es danach schon wieder an der Zeit zu packen und uns auf die Abreise vorzubereiten. Nachdem alle ihr Motorrad beladen haben führt uns der Weg zuerst mal zur Haute-Koenigsbourg. Die ist ja gleich um die Ecke. Schon morgens um zehn strömen die Touristen zu der im 12. Jahrhundert erbauten Burg. Das sind zu viele für uns. So geniessen wir die Aussicht über die Rheinebene bis hin zum Schwarzwald. Auch heute haben wir wieder Glück mit dem Wetter. Sonnig und um die 20 Grad warm. Ideal um Motorrad zu fahren. Dazu entschliessen wir uns nach der Cola auch wieder. Fernab jeglicher Touristen, mitten in den Rebbergen finden wir den Weg zurück nach Kaysersberg. Gleich neben den parkierten Motorrädern können wir uns mit Pouletbrust an einer Orangensauce den Hunger stillen.


Via Les-trois-epis, die Kurven nach Munster, wo der Käse herkommt, und den Col-du-Platzerwasel führt uns der Weg zurück zur „Route des crêtes“. Auf welcher wir aber heute nur kurz bleiben. Bei Le Markstein biegen wir rechts ab auf eine kleinere, verkehrsärmere Strasse. Eine fahrerische gute aber eine zeitraubende Entscheidung. Wiedermal sollte getankt werden. Das ist an einem Sonntagnachmittag gar nicht so einfach im Elsass. Aber wir haben ja ein Navi mit. Leider will uns das in eine andere Richtung leiten, als wir grundsätzlich müssen. Bei Burnhaupt finden wir schliesslich eine Tankstelle die auch noch unsere EC-Karte akzeptiert. Rauchen. Zügig geht’s weiter via Altkirch nach Ferrette. Mittlerweilen haben wir schon späteren Nachmittag. Eigentlich wollten wir um diese Zeit schon zu Hause sein. Charles und Sybille sind noch zu einem Geburtstag eingeladen und Ivan hat noch Musik am Abend. Sollen wir uns in eine Gemütliche und eine sportlichere Gruppe teilen? Wir entscheiden uns für eine gemeinsame sportlichere Fahrweise, welche uns bei Burg wieder in die Schweiz bringt. Laufen, Breitenbach und rauf auf den Passwang.


Auf der Abfahrt nach Balstahl habe ich Zeit mir Gedanken über die Tour und die Gruppe zu machen. Das Fazit fällt positiv aus, mit Verbesserungspotential in der Tour. Die Gruppe aber war ganz gut. Wenn ich jede Tour mit einer solch aufgestellten Gruppe machen darf kann ich glücklich sein. Vielen Dank Jungs und Sibylle.